Dieter Thomas Kuhn & die SWR Big Band

Und es war Sommer…

… ein warmer Abend in Tübingen, ein Open Air Konzert, eine Big Band und die singende Föhnwelle, über die ich hier schon berichtet habe. Und wir mitten drin, zwischen tausenden Fans im fast ausverkauften Sparkassen Carré.

Auch wenn wir mit gemischten Gefühlen an diese ungewohnte Kombination herangegangen waren, bot die Show durchaus musikalische Highlights.

Ich bin jetzt kein Musikkritiker, aber als jahrzehntelanger Fan von Dieter und seiner Kapelle habe ich es so empfunden:

DTK‘s Markenzeichen war eine kleine Kapelle, in der jeder Musiker noch mit Witz und einem eigenen Running Gag performte. Dazu hatten sie lustige Fantasie Namen wie Nino G., Udo L, Howie, Heintje usw.

Kapelle Outfit (früher)

Die Kapelle trug trotz der Originalität der Person und Stimme von Thomas Kuhn alias Dieter viel zum unverwechselbaren Stil der Auftritte bei. Dazu erschienen alle in schrillen 70er Jahren Anzügen – und zum letzten Song im braunen Retro-Trainingsanzug. Auch lebten die Shows von absichtlichen Patzern, lustigen Einlagen und etwas schräger Performance. Das rundete das Bild ab – Kuhn war jedoch immer der Mittelpunkt.

Jedes Konzert war wie „der letzte Kindergeburtstag“ – man lachte, tanzte und sang mit und war glücklich.

Gestern stand der Mann mit dem Brusthaar Toupet mit einem Orchester und Background Sängern auf der Bühne:

Er im weißen Glitzer-Kostüm, das Background-Chor-Trio klassisch in Schwarz, wie auch die Big Band: Schwarzer Anzug, weißes Hemd, Fliege.

Dass Kuhn trotz zweijähriger Zwangspause nichts an der Qualität seiner Performance und Stimme eingebüßt hat, stand für mich außer Frage.

Das Rundherum war zwar ungewohnt, aber auch noch ok.

Zwei kurze Eindrücke vom Konzert gibt es auch als YouTube Video:

Musik ist Trumpf

Sag mir quando, sag mir wann

Wo ich aber beim besten Willen nicht behaupten kann, dass es überzeugt hätte, war das Zusammenspiel zwischen dem Schlagerbarden und dem ihn immer wieder übertönenden Big Band Sound.

Wo ich zuerst eine schlechte Tonaussteuerung vermutet hatte, wurde mir später klar, dass die beeindruckende Klanggewalt und die eigenwilligen Interpretationen der Big Band die Stimme von Kuhn zeitweise in den Hintergrund rückten.

Ganz schlimm war es bei Desperado. Nomen est omen.

Da hatte ich nicht das Gefühl, dass die Band dasselbe Lied spielte, das Kuhn sang.

Man merkte, dass hier zwei Welten aufeinandertrafen: die Präzession einer Big Band und die spontane Energie eines DTK-Konzerts.

Man hätte Dieter mehr Bühne geben sollen.

Da wir etwas weiter hinten auf der Tribüne standen, konnte ich die Gesichter der Big Band Musiker nicht genau sehen.

Da passt einer nicht dazu

Ein Gitarrist sah schräg hinter Kuhn auf einem Hocker. Schlank, mit Haardutt. Und er saß anders, breitbeinig oder zeitweise auch die Beine überkreuzt.

Die Bewegungen, wie er mit dem Arm ausholte, bevor er die Saiten schlug.

Wie er den Kopf und Oberkörper im Takt der Musik nach vorn bewegte.

Ich versuchte es vergeblich mit dem Zoom der Handykamera… aber ich war mir sicher: Das war kein Big Band Musiker.

Als er nach „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ den rechten Arm ausgestreckt in der Luft ließ, wusste ich es.

Wenig später drehte sich Kuhn mitten im Song zu ihm um, pausierte kurz und schrie: „Howie!“

Es war tatsächlich Philipp Feldtkeller, der trotz schwerer Krankheit nochmals auftrat.

Allein das hat diesen Abend unvergesslich gemacht. Die Dissonanzen seien verziehen.

Danke für den schönen Abend, Dieter und Howie!

Im September 2026 kommt der Film „Und es war Sommer“ ins Kino.

Es ist ein Dokumentarfilm über Dieter Thomas Kuhn und seine Kapelle, der ihre Bandgeschichte, die Open-Air-Tour 2024 und den Weg zum Kultphänomen zeigt.

Also, ich werde ihn mir ansehen…☺️

Und ihr?

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