Der eigentliche Auslöser, diese Insel zu besuchen, war ja der kanadische Sänger und Songwriter, der hier gelebt hat. Zumindest zeitweise.
Leonard Cohen kam 1960 nach Hydra und kaufte für 1.500 Dollar ein rund 200 Jahre altes Haus oberhalb des Hafens – bezahlt mit einem Erbe seiner Großeltern. Dort gab es weder fließendes Wasser noch vernünftige Sanitäranlagen und damals auch keinen Strom. Cohen bezeichnete den Kauf später trotzdem als eine der klügsten Entscheidungen seines Lebens.


Wir haben das berühmte Haus nach einigem Treppauf, Treppab schließlich gefunden und um es vorsichtig zu sagen: Man muss schon wissen, wer hier gewohnt hat, um vor Ehrfurcht zu erstarren. Es ist ein hübsches, weiß getünchtes und unauffälliges Haus in einer engen Gasse. Dafür gibt’s reichlich Stufen, um hinzukommen.

Cohen gehörte bald zur internationalen Künstler- und Schriftstellerszene der Insel. Die Xeri Elia Taverna, besser bekannt als Douskos, war ein Treffpunkt, in dem sich die Künstler regelmäßig trafen.
Und dann war da Marianne.
Die Norwegerin Marianne Ihlen lebte bereits auf Hydra. Ihr Mann, der Schriftsteller Axel Jensen, hatte sie mit ihrem kleinen Sohn sitzen lassen. 1960 lernte sie Cohen kennen. Aus den beiden wurde ein Paar und Marianne und ihr Sohn wohnten zeitweise mit ihm im Haus auf Hydra, später führte ihr gemeinsames Leben sie auch nach Montreal und New York. Die Beziehung war allerdings alles andere als geradlinig. Cohens zunehmende Aufenthalte in Nordamerika, Trennungen und seine Beziehungen zu anderen Frauen ließen sie schließlich auseinandergehen. Verbunden blieben sie trotzdem – und Marianne wurde zu einer seiner wichtigsten Musen. „So Long, Marianne“ wurde zum musikalischen Abschied dieser Liebe.
Tipp: Die Staffeln der gleichnamige Verfilmung sind aktuell hier in der ARD Mediathek zu finden.

Auch „Bird on the Wire“ hat eine ganz konkrete Verbindung zu Hydra. Als schließlich Strom- und Telefonleitungen verlegt wurden, saßen plötzlich Vögel auf den neuen Drähten vor seinem Fenster. Diese brachten Cohen auf die Idee zu dem Song.

Heute erinnert auf Hydra erstaunlich wenig an den Mann, dessen Name so mit der Insel verbunden ist. Sein Haus ist privat und unspektakulär. Und dann gibt es noch die Leonard Cohen Memorial Bench oberhalb des Hafens. Auch sie löste bei uns keine Begeisterungsstürme aus. Fotografieren ließ sie sich kaum, weil sich dort praktisch im Schichtbetrieb Cohen-Pilger aus aller Welt gegenseitig ablichteten.



Vielleicht ist das aber sogar passend. Kein Museum, kein riesiges Denkmal, kein Cohen-Themenpark. Stattdessen ein Haus in einer stillen Gasse, eine optisch wenig ansprechende Bank mit Meerblick, ein paar alte Lokale – und Hydra.
Und nach all den Stufen hinauf zu seinem Haus und sonst wohin auf Hydra habe ich inzwischen auch eine Theorie zu seinem Song „Hallelujah“. (Offiziell entstand der Song natürlich erst viele Jahre später)
Irgendwann kommt einem das Wort ganz automatisch über die Lippen. Und das war sicher auch bei Leonhard Cohen so:
„Hallelujah, endlich oben.“
Aber ich habe mir für die Woche hier auch ein Buch über die Beziehung von Leonhard und Marianne mitgenommen und gelesen. Heute, an unserem letzten Tag, habe ich die letzte Seite zugeklappt. Das Buch hat mich durch Höhen und Tiefen geführt, an manchen Stellen kam es mir mit KI-Hilfe generiert vor. Viel zu oft „schürzte jemand seine Lippen“ oder „strich den Rock glatt“…dennoch: Es gab einen Einblick und ein trauriges Ende.
Das Ende einer unerfüllten Liebe und die Erkenntnis, das nichts von Dauer ist.
„Marianne, wir sind nun beide in dem Alter angekommen, da unsere Körper langsam anfangen, zu vergehen – und ich denke, dass ich dir bald folgen werde. In dem Wissen, dass ich so nah bei dir bin, kannst du einfach deine Hand ausstrecken, und ich denke, du wirst meine erreichen. Du weißt, dass ich dich immer für deine Schönheit und deine Weisheit geliebt habe, aber ich muss gar keine Worte mehr darüber verlieren, denn du weißt das alles schon. Aber jetzt wünsche ich dir eine gute Reise. Good Bye, meine liebe Freundin. In unendlicher Liebe, ich sehe dich ganz bald. Leonhard“
Sie war todkrank. Er schrieb ihr diese Zeilen, danach verstarb sie im Juli 2016 an Leukämie, er folgte ihr im November desselben Jahres.
So long, Marianne.









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