Wien, 1948. Der Zweite Weltkrieg war seit drei Jahren vorbei. Zwischen zerbombten Häusern und prachtvollen Palais blühte der Schwarzmarkt, Lebensmittel waren knapp und die Stadt unter den vier alliierten Besatzungsmächten aufgeteilt: Amerikaner, Briten, Franzosen und Sowjets. Der erste Bezirk wurde gemeinsam verwaltet, die berühmten „Vier im Jeep“ patrouillieren durch die Straßen. Die Schleifmühlgasse, durch die wir heute vor unserem Besichtigungsprogramm bummelten, lag damals im sowjetischen Sektor. Davon merkt man heute im Freihausviertel natürlich nichts mehr. Dafür gibt es ein paar nette Läden, wie Babette‘s, eine Kombination aus Kochbuch- und Gewürzladen oder Gabarage Upcycling Design, wo aus alten Verkehrsampeln Lampen und aus ausrangierten Mülltonnen und Straßenschildern Sitzgelegenheiten und Tischchen entstehen.

Aber zurück zu 1948.

In dieser Zeit handelt der britische Filmklassiker „Der dritte Mann“ von Regisseur Carol Reed mit Joseph Cotten und Orson Welles, der so untrennbar mit Wien verbunden ist.

Die Geschichte erzählt vom mysteriösen Tod des zwielichtigen Harry Lime, illegalem Penicillinhandel und einem amerikanischen Schriftsteller, der der Wahrheit auf die Spur kommen will.

Der 1949 erschienene Thriller wurde weltberühmt und gewann einen Oscar – nicht zuletzt wegen seiner schrägen Kameraeinstellungen, der unverwechselbaren Zithermusik von Anton Karas und einer spektakulären Verfolgungsjagd durch die Wiener Kanalisation.

Die „Dritte Mann Tour“

Ein echter Wiener geht da runter…

Die Verfolgungsjagd war geschickt inszeniert, denn alles spielte sich nur in einem kleinen Teil der Kanalisation ab, erklärten die beiden Guides, die uns mit Wiener Schmäh die schwere Arbeit der Kanalmänner näherbrachten und von dort unten gedrehte Filme (wie Der dritte Mann, Soko Wien und Kommissar Rex) und Videos (z.B. Falcos Jeanny) erzählten.

Sie meinten vorweg, es röche nach altem Keller mit einer „gewissen Note“. Ich gehe davon aus, dass sich deren Nasen im Laufe der Jahre angepasst haben – denn für mich stank es fürchterlich.

Die Tour dauerte eine knappe Stunde, wir stiegen 18 Meter unter die Erde, zuerst in die Kanalisation mit Auffangbecken und dann hinunter zur Wien, die wie ein Bächlein wirkte, die aber bei Unwetter schnell zum rasanten Fluß anwachsen kann.

Wir lernten, dass es wie bei den Bergleuten „Glück auf!“, auch einen Gruß der Wiener Kanalarbeiter gibt, nämlich: „Scheiß drauf!“

Recht froh, wieder ans Tageslicht gekommen zu sein, gaben wir die Helme zurück und desinfizierten unsere Hände, obwohl wir nur eine Ratte aus der Ferne gesehen hatten.

Wenige Straßen entfernt brachte uns die Albertina auf angenehmere Gedanken.

Albertina

Aktuell läuft noch bis Januar 2027 eine Ausstellung mit Bildern von Otto Waalkes, in denen er bekannte Meisterwerke von Dürer, Marc und Nolds in der Albertina ostfriesisch parodiert.

Eine weitere Sammlung zeigt Monet bis Chagall und gerade wurde die Ausstellung von Sarah Hughes eröffnet.

Eintrittspreise:

Dritte Mann Tour (online vorreservieren) pro Person: 18 Euro

Ihr habt jetzt Lust, ohne Geruchsbelästigung nur den Film zu sehen? Hier, bitte schön.

Albertina pro Person: 20,90 Euro

Die Otto meets Albertina Ausstellung ist klein und fein, aber absolut amüsant und sehenswert. Wer Impressionismus und Expressionismus mag, wird auch von den weiteren Exponaten begeistert sein – und das sind wirklich viele.

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