Nach einer Woche auf Hydra kehrten wir der „Bohemian Island“ den Rücken.

Wir haben die Insel nicht bis in den letzten Winkel erkundet. Wanderungen hinauf zu den Klöstern und auf die höchsten Gipfel haben wir uns geschenkt. Dafür sind wir nach Vlychos und Mandraki gelaufen und haben in Hydra und Kamini gefühlt einige tausend Treppenstufen bezwungen.

Ein paar Mythen weniger

Nein, Hydra sieht für uns nicht wie ein „versteinerter Brotlaib“ aus, wie Henry Miller einst schrieb.

Und ganz auto- und radfrei ist die Insel ebenfalls nicht. Fast – aber eben nur fast. Im Hauptort wären Fahrzeuge ohnehin ziemlich nutzlos: Die Gassen sind eng, steil und bestehen zu einem großen Teil aus Treppen.

Mythos Leonard Cohen:

Wir haben sein eher unspektakuläres Wohnhaus und auch die Gedenkbank besucht. Mehr erinnert hier leider nicht an den Künstler.

Kunst – von Feuerwehrschläuchen bis 30.000 Euro

Auf der Suche nach Kunst fanden wir im ehemaligen Schlachthaus bei der DESTE Foundation unter anderem mit Feuerwehrschläuchen umwickelte Koffer. Im Restaurant des Mandraki Beach Hotels gab es ebenfalls Kunst zu kaufen – für den kleinen Geldbeutel zwischen etwa 3.000 und 30.000 Euro.

Richtig gut gefallen hat uns dagegen die Ausstellung historischer griechischer Tourismusplakate im Haus von Lazaros Kountouriotis.

Der Hydra Art Walk war schon schwieriger zu entdecken. Kleine Plakate mit QR-Codes führen zu Augmented-Reality-Kunst: Code scannen, Handy weiter auf das Plakat richten und schon erscheinen Bilder, Texte und akustische Erklärungen. Bewegt man das Handy weg, ist die Vorstellung allerdings vorbei.

Nette Idee. Ein bisschen mühsam.

Einkaufen

Lebensmittel bekommt man dagegen ausschließlich im Hauptort Hydra, verteilt auf einige kleine Läden. Wer wie wir in Kamini wohnt, sollte also daran denken, bevor er sich wieder die Treppen hinaufarbeitet.

Rund um den Hafen findet man Souvenirläden, flatternde Leinenkleider, Hüte, Schmuck und alles, was ein Ferienort sonst noch braucht. Dazu kommen drei Bäckereien, einige Eisdielen, Cafés und Restaurants, zwei Apotheken und ein kleines Krankenhaus.

Getting around

Zu Fuß, per Boot oder – wenn Geld eine untergeordnete Rolle spielt – mit dem Wassertaxi.

Eine einfache Fahrt von Mandraki nach Hydra dauert keine zehn Minuten und kostete 30 Euro. Deutlich günstiger sind die regulären Badeboote: Sie liegen auf der linken Seite des Hafens und fahren regelmäßig verschiedene Strände an. Hin und zurück nach Mandraki zahlten wir 10 Euro pro Person.

Die Wassertaxis findet man auf der rechten Hafenseite.

Für Gepäck und andere Lasten stehen Maultiere und Pferde bereit. Wir zahlten 20 Euro pro Tier und Strecke.

Und für Fußgänger gilt: gute Schuhe! Das grobe Kopfsteinpflaster und die vielen Stufen sind nichts für High Heels und auch nichts für empfindliche Knöchel.

Wohnen

Billig ist Hydra nicht – erst recht nicht, wenn man etwas Komfort, Ruhe und Meerblick möchte.

Unser Sunset House in Kamini bot für uns ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis und herrliche Ruhe. Dafür lagen zwischen uns und der Außenwelt exakt 99 Stufen.

Blick vom Sunset House

Essen

In Hafennähe ziehen die Preise kräftig an. Es geht aber auch günstiger außerhalb vom Zentrum. Eine klare Empfehlung können wir aber aussprechen: die Taverne Marina in Vlychos. Dort haben Preis, Qualität und griechische Küche für uns am besten zusammengepasst.

Marina Taverne,Vlychos

Die Katzen

Wohin man schaut, begegnet man Katzen. Viele sind Streuner, die meisten erstaunlich zutraulich und manche ausgesprochen talentiert darin, vor dem Frühstück oder Abendessen herzzerreißend vor dem Fenster zu maunzen.

Sie werden von Einheimischen und Touristen gefüttert, zusätzlich kümmert sich HydraArk um die Tiere. Trotzdem sieht man auch Katzen, denen es offensichtlich weniger gut geht.

Die Strände

Der einzige Sandstrand Hydras liegt beim Mandraki Beach Hotel – und der Sand wurde aufgeschüttet.

Mandraki Beach

Ansonsten dominieren Kies und Steine. Badeschuhe sind Gold wert. Dafür ist das Meer wunderbar klar. An einigen Stellen kann man auch direkt von Felsplatten über Metallleitern ins Wasser steigen.

An- und Abreise

Hydra besitzt weder Flughafen noch Straßenverbindung zum Festland. Die Insel erreicht man ausschließlich übers Wasser. Die meisten Besucher kommen mit der Fähre von Piräus. (Ca. 1,5 Stunden)

Das macht die Anreise etwas aufwendiger – sorgt aber spätestens beim Einlaufen in den hufeisenförmigen Hafen für einen ziemlich spektakulären ersten Eindruck.

Unser Fazit

Hydra ist wunderschön, aber nicht unbedingt bequem. Steile Wege, Treppen, Kopfsteinpflaster und vergleichsweise hohe Preise gehören genauso dazu wie weiß getünchte Häuser, glasklares Wasser, Katzen, Maultiere, Boote und ein Hafen, an dem viele stundenlang sitzen und schauen.

Eine Insel für Menschen, die gern zu Fuß unterwegs sind und damit leben können, dass der Weg zum Abendessen gelegentlich schon als Sporteinheit durchgeht.

Was wir beim nächsten Mal anders machen würden

– Vermutlich wieder in Kamini buchen– vielleicht mit 30 Stufen weniger.

– Einen größeren Grund-Einkauf gleich bei der Ankunft in Hydra machen, und liefern zu lassen wäre schlauer gewesen.

-5 Sechserträger Wasser für zwei Personen und 1 Woche sind 2 zu viel, auch wenn man damit kocht. (Empfehlung des Vermieters…)

-Auf der Künstlerinsel weniger nach Kunst suchen, sondern sich einfach treiben lassen.

Und jetzt? Auf nach Athen!

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