Citytrip Nürnberg – 48 Stunden Tiefgang: Kritische Geschichte, Kunst, Kultur und klirrende Kälte

„Nembärch“, fränkisch: Im Mittelalter groß geworden wie die Hilton Hotels: „1.wegen der Lage, 2.wegen der  Lage und 3.wegen der Lage“. Im Fall Nürnbergs war es die ideale Lage an den Handelswegen in alle vier Himmelsrichtungen.

Vom Nationalsozialismus als perfekte Projektion der „guten alten Zeit“, als typisch deutsch glorifiziert, nutzte Hitler den Romantik – Mythos auf den rassistischen Propagandaveranstaltungen der Reichsparteitage. Im 2. Weltkrieg stark zerbombt wurde die Stadt danach erstaunlich harmonisch wieder aufgebaut. Sie bietet eine Vielfalt an interessanten Attraktionen, Kunst & Kultur sowie kulinarischen Schmankerln.

Von meiner Mama hatte ich zwei Aufträge bekommen, bevor wir in die Frankenmetropole aufbrachen: Erstens Bratwurst, zweitens Schäufele essen.

Nirgendwo auf der Welt schmecken die so gut wie hier, weiß Mama. Sie kommt schließlich aus der Region, wo auch ich meine Kindheit verbracht habe.

Gesagt, getan. Nach dem freundlichen Check in im Novina Hotel am Wöhrdersee Freitagabends gleich telefonisch einen Tisch in der Schäufelewärtschaft reserviert. Wir waren begeistert.

Perfektes Schäufele, knusprig mit zartem Fleisch, Kraut und Kloß. Sehr gutes Bier. Eine freundliche und flinke Bedienung mit dem Geheimtipp: „Wehe, wehe, wenn ich die Schlehe sehe…..“,typisch fränkischer Schlehenschnaps musste nach ihrer Empfehlung noch sein!

Das Novina Hotel überraschte nicht nur mit freundlicher Rezeption, modernem und geschmackvollem Ambiente, sondern auch einem vielfältigem, hochwertigen Frühstücksbuffet inkl. Showcooking von Eierspeisen. Mit S- Bahn, Strassenbahn und Bus um die Ecke ist man in wenigen Minuten im Zentrum.

Apropos öffentliche Verkehrsmittel: Die Nürnberg Card (im Tourismusbüro, Hotel oder online buchbar für 28,- € pro Erwachsenen) beinhaltet den gesamten öffentlichen Nahverkehr sowie alle Eintritte in die Museen der Stadt für 2 Tage. CB648466-C5A0-4336-AD47-A8AE3D037E5F

Den Samstag starteten wir im Handwerkerhof. Eine nette Touristenattraktion, die 1971 anlässlich des 500. Geburtstags von Albrecht Dürer in Bahnhofsnähe errichtet wurde. Glasschleifer, Töpfer, Zinngiesserhandwerker neben Lebkuchenbäckern und Gaststätten in idyllischen Fachwerkhäuschen.

Antje Duck war dabei und fand prompt Verwandte in einem Schaufenster 😉.

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Für Albrecht Dürer Fans gibt es übrigens den Dürer – Themenweg, Museum in seinem Wohnhaus, eine nach ihm benannte Strasse und einen Platz und auch die Skulptur eines zugegeben verwirrend hässlichen Hasen von Jürgen Goertz als Hommage an den berühmten Maler.

Dürer ist übrigens nicht der einzige bekannte Künstler mit Nürnberger Wurzeln. Auch die Vorfahren von Billy Joel lebten hier.

Weiter ging‘s zur Straße der Menschenrechte , dem Mahnmal gegen den Nationalsozialismus am

Germanischen Nationalmuseum.

In diesem größten kulturgeschichtlichen Museum des deutschsprachigen Raumes findet man Exponate aus über 3000 Jahren Kunst- und Kulturgeschichte von den germanischen Anfängen, Relikten aus der Bronzezeit bis hin zu formschönen Designklassikern des 20. Jahrhunderts.

Wir konzentrierten uns auf das zwanzigste Jahrhundert, die Plakat Sonderausstellung „Warenzauber in Produktplakaten und Werbefilmen“

und interessante Werke von Alvermann, Brus, Behrens u.v.m.

Im Tourismusbüro hatten wir uns zur Führung im Kunstbunker angemeldet. Da noch etwas Zeit blieb, besichtigten wir zuvor noch die imposante Kaiserburg inklusive Museum mit traumhaftem Stadtblick.

Im kleinen Spezialitätenladen Senfladen unterhalb der Burg bekamen wir die allerbesten Nürnberger Würstchen.

Nicht wie sonst so Drei sondern „Vier im Weckla“, also vier kleine Würstchen in der Semmel. Beste Semmel, knusprige, frische Würstl und ….. dieser Senf! 😍Natürlich konnte ich das Geschäft nicht verlassen, ohne ein paar Spezialsenfe zu erwerben. Gut gestärkt ging‘s gegenüber in den historischen Kunstbunker, einmalig in Deutschland.

Ein noch gut erhaltener Luftschutzbunker, in dem nicht Menschen sondern die bedeutendsten Kunstschätze der Stadt Zuflucht vor dem Bombenhagel fanden. Ingo Eigen überzeugte mit einer spannenden, unglaublich fundiert – informativen und hintergründigen Führung mit Tiefgang.

Um dem beginnenden Abend noch eine fröhliche Note zu verleihen, schlenderten wir mit Antje in der „Stadt der Spielwarenmessen“ noch durch das Spielzeugmuseum mit einer grossen Sammlung an historischen Spielsachen, Dampfmaschinen und einer originellen Puppenhaus -Ausstellung aus 1968.

Zum Abendessen verschlug es uns ins „Etzerdla“ – Fränkische Schmankerl in modernem Ambiente. Aufmerksamer Service trifft wirklich gute und innovative Küche. Auf die Idee, einen Grupften mit frischen Sprossen zu servieren, wäre ich nie gekommen. Klasse auch die Baggers mit Räucherlachs und natürlich klassisch die Nürnberger Bratwürstl mit Kraut und Brot.

Mit Bus Linie 36 ging‘s zurück zum Hotel.

Am Sonntag setzten wir unseren Ausflug in die Nürnberger Geschichte mit dem Besuch des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände fort.

Mit dem Bus 36 leicht zu erreichen.

Die Dauerausstellung „Faszination und Gewalt“ gibt mittels Audioguides erschütternde Einblicke in das Wirken des NS Regimes und dessen infamer Hirnwäsche- Propaganda.

Eigentlich lustig und interessant – allerdings, wenn man den Weg der Sinne in St. Englmar kennt, ist hier wenig Neues zu finden. Zurück ging‘s zu Fuß über den Hauptmarkt mit der imposanten Frauenkirche und dem Schönen Brunnen.

An dessen goldenen Ring musste noch gedreht werden, den Glücks wegen,oder was man sich sonst so wünscht, ihr wißt schon. 😉

Fazit:

Nürnberg ist definitiv eine Reise wert. Besonders auffällig:

1. ein Tourismusverband mit einem nicht alltäglichen, sehr informativen und gut strukturiertem Online -Informationsangebot, auch für mobile Endgeräte optimiert. Super freundliche und kompetente Mitarbeiter im Touristoffice.

2. Endlich einmal eine Städtekarte für die öffentlichen Verkehrsmittel, in der für 2 Tage alle, wirklich alle Museen mit Gratiseintritt inkludiert sind

3. Heimliche Stadt der Friseure? Eine auffällige Häufung von Friseursalons. So viele sind uns in noch keiner Stadt aufgefallen.🤔

Wahrscheinlich glaubt ihr nicht, dass Fränkisch und Englisch mehr als verwandte Sprachen sind? Kannst englisch, kannst fränkisch. Naja, fast….

Ade, Nürnberg und bis bald!

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