Der Tag startete mit Frühstück auf dem Balkon zum Hinterhof zunächst unspektakulär, dann zeigte der Brüsseler Nahverkehr wieder, was er kann. Diesmal: Busse umleiten.

Zunächst waren wir nur verwundert, warum wir am Gare Central rausgeworfen wurden, obwohl der Bus doch bis Grand Place hätte fahren sollen. Egal, dann halt zu Fuß weiter.

Im Tourist Office am Grand Place erstanden wir das Comic-Strip-Buch und die Tintin-Karte. Zehn Euro später hatten wir etwas in der Hand, das sich hervorragend als Souvenir eignete, aber vor Ort wenig hilfreich war. Also weiter mit Google Maps.
Das wiederum hatte heute offenbar andere Pläne, bzw. der Internet Empfang. Ständig war die Verbindung weg, die Karte eingefroren, Orientierung eher intuitiv als digital.




Seit den 90ern verteilte Brüssel großformatige Comic-Murale diverser Künstler über die Fassaden – inzwischen über 80. Nicht nur klassische Street Art, sondern auch eine Hommage an Belgiens Comicgeschichte: Tim und Struppi, Lucky Luke, Asterix, die Schlümpfe – eine spannende Schatzsuche.




Kreuz und quer ging’s durch die Gassen, immer auf der Suche nach dem nächsten Wandbild.
Dort, wo der Menschenauflauf am größten war, sahen wir den kleinen nackigen Jungen in den Brunnen pinkeln: Manneken Pis.

Wusstet ihr, dass der kleine Kerl tapfer seit 1619 uriniert, zu nationalen Anlässen mit diversen maßgeschneiderten Uniformen bekleidet wird und diese in einem eigenen Museum bestaunt werden können? Nein, das haben wir uns (und euch) gespart, auch wenn der Eintritt in der Brussels Card enthalten ist.
Dazu gibt es in der Innenstadt seit 1985 als Zeichen der Gleichberechtigung Jeanneke Pis, das pinkelnde Mädchen mit ebenfalls chronischer Blasenentzündung und ein paar Schritte weiter seit 1999 Zinneke Pis, den bronzenen Hund, der sein Bein seit 27 Jahren an ein und demselben Pfahl hebt und strullert. Er soll die multikulturelle Identität der Stadt repräsentieren.


Humor haben sie, die Brüsseler. Das muss man ihnen lassen.

Das Belgian Comic Strip Center befindet sich in einem ehemaligen Warenhaus in Jugendstil Architektur. Schön gemacht, viel Hintergrund zur Comicgeschichte, architektonisch beeindruckend. Dennoch ist es mit den vielen Strips diverser Künstler (meist auf flämisch oder französisch) eher was für eingefleischte Nerds. (Eintritt in Brussels Card enthalten)









Zwischendrin stoppten wir für mäßig gute Fritten.

Dann ging’s weiter zum Comicfiguren Museum, dem MOOF. Laut Brussels Card ebenso kostenlos mit dieser. Fakt: Seit heute nicht mehr, wir mussten zahlen.

Freundlicherweise gab uns der nette Herr am Eingang den Jugendtarif und ich freute mich kurz wie mit 17.
Paul Tasiaux war ein privater Sammler von allem, was mit Comics zu tun hat. Sein Wunsch war es, ein Museum zu eröffnen, in dem Comics und die darin vorkommenden Figuren ausgestellt werden. Das wurde mit mit MOOF realisiert, das sich in der Galeria Horta befindet. Von 3500 Ausstellungsstücken sind 1200 Figuren von klein bis groß zu bestaunen.








Hier findet man Schlumpfhausen, Lucky Luke, aber auch Asterix und Obelix, sogar im altem Film, den man sich auf Kinobestuhlung ansehen kann.
Auch amerikanische Exemplare wie Hulk, Bat- und Spiderman stehen friedlich nebeneinander. Und natürlich Marsupilami, Titin und Milou.




Wir blieben stehen, entdeckten Details, schauten nochmal hin und tauchten ein in die Welt der gezeichneten Helden.


Fazit: Absolut empfehlenswert, Brussels Card sollte die Info zum Eintrittspreis updaten.
Der Rückweg wurde spannend. Wir waren wieder am Gare Central, im Getümmel zwischen einem Festival und Baustellen.
Google funktionierte kurz und schlug uns vor, die U-Bahn zu nutzen. Der Zugang war jedoch wegen Großbaustelle geschlossen.
Irgendwo zwischen verlegten Haltestellen, „diverted“-Schildern und spontanen Busumleitungen (Anzeige im Bus 71 bot Umsteigen auf Linie 38 an, ausgestiegen und festgestellt: Route 38 verlief doch woanders, 71 war natürlich bereits weg) haben wir uns dann mehr zu Fuß fortbewegt als geplant. Aber nach dem dritten „Ach komm, wir gehen einfach“ war es auch schon egal.
Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis des Tages:
Brüssel funktioniert nicht nach Plan. Man kann versuchen, es zu strukturieren, zu optimieren, sich durchzutakten – aber am Ende läuft man doch einfach los, biegt falsch ab und steht plötzlich vor einem Comic an der Hauswand, den man sonst nie gesehen hätte oder sieht Don Quijote neben Sancho Panza, den eine Taube bebrütet.








Vorsatz für morgen: Gare Central großräumig meiden!









Hinterlasse einen Kommentar