Valletta: Erste Eindrücke, volle Busse und ein stiller Moment

Das war der Plan: Vom Apartment in Gzira gemütlich zum Ferry Terminal Sliema spazieren, mit der Fähre rüber nach Valletta, dort ein bisschen UNESCO-Gefühl schnuppern: St. John’s Co-Cathedral, Upper Barrakka Gardens, Lift runter, Fähre zu den Three Cities. Die Stadt,  kompakt  sozusagen.

Die Realität hatte andere Pläne.

Der Ferryterminal Sliema mit Ketten abgehängt, dran hing ein Zettel, der alles sagte:

„Ferry today suspended.“

Kein Drama, dachten wir. Busse gibt’s ja genug.

Dachten nicht nur wir:  Erst in den vierten Bus kamen wir überhaupt rein.

Malta im Februar ist offenbar kein Geheimtipp mehr.

Valletta: schön, aber überlaufen (in der Nebensaison) 

Am Busterminal Valletta angekommen ging es direkt in die Republic Street – und zwar mitten hinein in ein Gedränge, das locker mit der Salzburger Getreidegasse zur Festspielzeit mithalten kann.

Die Straight Street (ehemaliges Straße mit Etablissements, heute Ausgehviertel mit Kneipen) war  entspannter, kein Wunder, war ja erst Mittag. 

St. John’s Co-Cathedral mit Boah-Faktor

Ja, man steht an, muss durch den Sicherheitscheck und staunt dann nicht schlecht: 

Die St. John’s Co‑Cathedral ist kein bisschen dezent. Gold, Marmor, Fresken – das ist barocke Reizüberflutung. 

Warum der Name „Co- Cathedral“?

Die alte Hauptstadt Mdina hatte schon eine Kathedrale. Als Valletta dann Hauptstadt wurde, wurde ausnahmsweise eine zweite genehmigt, daher diese Bezeichnung. 

Spannend auch die immersive Ausstellung zu Gemälden von Caravaggio. 

15 Euro Eintritt, die sich aber lohnen. Wer mag, kann den im Preis inkludierten Audioguide nutzen. 

Danach ging es über die Upper Barrakka Gardens und den Außenlift hinunter zum Hafen, von wo aus die Fähren zu den Three Cities verkehren. 

Die „Drei Städte“ (Three Cities) sind Vittoriosa (Birgu), Senglea (L’Isla) und Cospicua (Bormla). Sie liegen gegenüber Valletta am Grand Harbour, sind historisch als erste Heimat der Johanniter bekannt und bestehen aus Befestigungen, Palästen, alten Gebäuden und ruhigeren Plätzen als Valletta. 

Motorisierte Gondel statt Fähre

Ein „traditional boat“ – so eine Art Gondel mit Außenborder, maximal sechs Personen, nasse Sitzbänke inklusive – brachte uns nach Birgu. Statt Fähre. 

Kleine Szene am Rande:

Ein spanisches Pärchen wollte auf dem Holzkahn bargeldlos zahlen. Sie hatten keine sechs Euro dabei. Die meinten echt, der alte Bootsmann würde einen Kreditkarten Terminal zücken…😅 Paypal sei Dank hat dann ein anderes Pärchen ausgeholfen…

In Birgu spazierten wir durch ruhige, pittoreske Gassen, bis uns der Hunger ins Cafe du Brasil trieb: eine maltesische Tuna Ftira und ein Wrap im XL Format machten für den Rest des Tages satt. Aber unsere 12.000 Schritte glichen das aus. 

Von Birgu fuhren wir in mittlerweile gewohnt vollen Bussen nach Sliema zum Cat Village. 

Katzen, Kunst und Killer

Eine große Katzenskulptur, ein paar echte Katzen, die dort versorgt werden, Street Art – und plötzlich diese Frage im Raum:

Was hat es mit dem ermordeten Mädchen auf sich?

Paulina Dembska (29), eine Polin, lebte in Malta und kümmerte sich regelmäßig um die Straßenkatzen in den Independence Gardens in Sliema.  

Sie wurde 2022 in genau diesem Bereich ermordet.  Danach entstand dort ein Gedenk-Mural, initiiert von lokalen Künstlerinnen/Activists gemeinsam mit dem Sliema Local Council – bewusst als sichtbares Zeichen gegen Gewalt und als Erinnerung an Paulina.  

Die auffällige Katzen-Skulptur in Sliema wurde später explizit mit Paulina verbunden – zum 3. Jahrestag 2025 bekam sie sogar ein Halsband mit ihrem Namen. Traurig, aber stark. 

Und manchmal ist es genau der letzte Eindruck, der bleibt.

2 Antworten zu „Valletta: Erste Eindrücke, volle Busse und ein stiller Moment“

  1. Avatar von alex

    …12.000 Schritte sind doch bei so netten Tagesausflügen das Minimum. *grins* Kenn das ja von unseren Seereisen. 😉

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    1. Avatar von theduck.blog

      Wir sind keine Kreuzfahrtfans und planen die Tage vor Ort sehr individuell. Daher steht das Erleben des Moments vor dem Abklappern von Touri-Hotspots im Schnelldurchlauf. 😉

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