Flucht aus dem Deutschen Theater & Retro Airport Vibes in Riem

Der München-Abend begann mit großen Erwartungen. Im Deutschen Theater lief die Jubiläumsshow „100 Jahre Peter Alexander und Heinz Erhardt“.

Zwei Imitatoren – wohlgemerkt laut Ankündigung aus Rudi Carells Talentschmiede und mit dem „Goldenen Mikrofon“ ausgezeichnet – standen auf der Bühne und performten, als hätte jemand ein Seniorenheim-Nachmittagsprogramm in den Silbersaal verlegt.

Die beiden Originale haben sich vermutlich im Grabe umgedreht.

Dünne, uralte Witze, Playback-Schlager – und irgendwann kam die Aufforderung zum kollektiven Schunkeln.

In diesem Moment brach mir der Schweiß aus.

Der mir unbekannte Herr links neben mir und ich schauten uns an, nickten uns wortlos zu und schüttelten den Kopf.

Kein Schunkeln.

Die „100 Jahre“ im Titel bezogen sich vermutlich ohnehin eher auf das Durchschnittsalter des Publikums.

Ob am Ende der Veranstaltung noch Heizdecken verkauft wurden, entzieht sich meiner Kenntnis.

Daniel und ich hielten genau bis zur Pause durch. Dann ergriffen wir die Flucht und retteten uns in die Hotelbar auf ein Glas Wein – dringend nötig zur mentalen Stabilisierung.

Dass der nächste Tag nur besser werden konnte, stand außer Frage.

Auf dem Programm stand eine Kombination aus Retro-Vibes, Spurensuche und ein wenig Lost-Place-Feeling an einem Ort, der für mich besondere Erinnerungen birgt: dem ehemaligen Flughafen München-Riem.

Wir schreiben das Jahr 1992. Genauer gesagt den 16. Mai.

Ich hatte gerade meine Ausbildung zur Flugbegleiterin bei der Lufthansa in Frankfurt erfolgreich abgeschlossen und trat an diesem Tag gegen Mittag meine erste Tour als reguläres Crewmitglied an. Es war mein erster Flug von München aus – und zugleich mein letzter ab Riem.

Denn wir landeten zwei Tage später bereits im Erdinger Moos.

Die Vorbereitungen für den Umzug des Flughafens liefen hektisch. Unser Crew-Briefing fand in einem provisorischen Container statt, von dort ging es über das Vorfeld zu unserer Boeing 737.

An diesem Abend verfolgte ich gebannt über den Fernseher im Hamburger Hotelzimmer den legendären Umzug eines Großflughafens.

Ab der Rückkehr von dieser ersten Drei-Tagestour war meine Heimatbasis der neue, moderne Flughafen MUC – im Erdinger Moos.

Dennoch hat mich Riem nie ganz losgelassen. Recherchen ergaben: Es gibt noch Retro-Vibes und ein paar Relikte des alten Flughafens, die weder vom Messezentrum noch vom Shoppingcenter der Riem-Arcaden verschluckt wurden.

Der Tower zum Beispiel. Er ist denkmalgeschützt, heute in moderne Gebäudestrukturen eingebunden und wird als Eventlocation genutzt.

Tower Riem

Auch der Wappensaal existiert noch – einst Dreh- und Angelpunkt der Fluggasthallen, die inzwischen modernen Gebäuden gewichen sind. Die netten Damen am Empfang des Unternehmens, das die Halle heute ebenfalls für Veranstaltungen nutzt, ließen uns freundlicherweise einen Blick hineinwerfen.

Weiter ging es entlang der Ruinen der alten Trabrennbahn zum Riemer Park.

Mitten zwischen modernen Wohnkomplexen einer High-End-Trabantenstadt mit großzügigen Grünanlagen stolperten wir über dieses Relikt:

Doch das eigentliche Highlight erwartete uns nach weiteren dreißig Minuten zu Fuß im Riemer Wäldchen. Ein magischer Ort.

Der Rest der Startbahn, von der ich damals, auf meinem ersten Flug im Jahr 1992, abgehoben bin.

Hier begann für mich ein völlig neues Leben.

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