Der Tag begann harmlos und wir waren guten Mutes. Laut Tallinja App sollte Bus 13 um 10:10 in Gzira abfahren. Wir waren pünktlich – der Bus nicht. Er kam überhaupt nicht.
Wenige Minuten später war er auch in der App spurlos verschwunden. Einfach weg.
233er fuhren zu Hauf vorbei, aber kein Bus 13 weit und breit.
Plötzlich zeigte die App eine Umsteigeverbindung mit 233 an! Sehr freundlich…
Nun, irgendwie kamen wir dann doch nach Kosta. Unser Ziel? Ein Lost Place mit Geschichte:
White Rocks – ein Ort mit Vergangenheit
White Rocks war kein Ferienresort, sondern ein militärischer Komplex aus der britischen Zeit, errichtet in den 1960er-Jahren. Hier lebten und arbeiteten Angehörige der Royal Navy und der RAF, später standen die Gebäude leer und verfielen langsam. Heute ist das Areal ein verlassener Betonkomplex mit Meerblick, zunehmend bröckend, überzogen von zum Teil eindrucksvoller Street Art.










Wir waren allerdings nicht allein.
Mehrere Männer mit düsterem Blick, die telefonierten oder rumstanden und offenbar warteten, sich trafen – ortskundig, unauffällig, aber präsent. Keine offene Bedrohung, eher dieses diffuse Gefühl von „wir gehen dann mal besser wieder“.


Also: Fotos gemacht, Eindrücke gesammelt, weitergezogen.

White Rocks ließ uns mit diesem stillen Nachhall gehen: kein Grusel, keine Romantik, nur Geschichte, die verfiel – und ein paar tollen Murale.

Wir gingen zurück zur Straße – raus aus dem Beton, rein in die Realität. Und die hieß:
Weiter Busfahren auf Malta.
Der Plan war simpel: Bus 212 nach Bugibba.
Die Umsetzung weniger. Zwei 222er rauschten vorbei, dann kam der 212. Die Fahrerin winkte freundlich und fuhr einfach vorbei – denn der Bus war brechend voll.
Erst danach schlug die Tallinja-App plötzlich den 222 als Alternative vor. Mit 23 Minuten Fußweg ins Zentrum Bugibbas. Danke auch.
Also rein in den nächsten, vollen 222, der freundlicherweise hielt, und festhalten bitte.
Bei Maltas Busfahrern dürften als Einstellungskriterium Rennstrecken-Erfahrung obligatorisch sein. Am Ortsrand von Bugibba verließen wir mit zitternden Knien den Racing Bus, rieben die verkrampften Finger und Oberarme und marschierten ins Zentrum zur Classic Car Collection Malta. Dabei fiel uns schon auf: Bugibba ist keine Schönheit und sehr englisch geprägt.

Die Classic Car Collection von außen: eher unscheinbar, aber drinnen fanden wir eine stattliche, liebevoll arrangierte Sammlung, die Retroherzen höher schlagen lässt.








Absolut empfehlenswert, 10 Euro Eintritt pro Person sind angemessen.
Ab dem Busterminal Bugibba klappte es gleich mit dem Bus 31 (hurra!) nach Mosta.
Mosta – Rotunda & WW2 Shelter
Die Rotunda von Mosta (offiziell Basilica of the Assumption) dominiert den Ort – mit einer der größten freitragenden Kuppeln Europas.






Berühmt wurde sie im Zweiten Weltkrieg, als 1942 eine Fliegerbombe durch die Kuppel fiel, im Inneren landete – und nicht explodierte, obwohl sich hunderte Menschen in der Kirche befanden. Ein Wunder, sagen die einen. Glück, sagen die anderen. Die Bombe steht heute als Nachbau im Museumsshop.

Direkt unter der Rotunda (Eingang nebenan) erzählen die Mosta WWII Shelters die weniger spektakuläre, aber umso eindringlichere Geschichte.
Ein verzweigtes Netz aus Luftschutzstollen, in den Fels geschlagen, in denen sich die Bevölkerung während der Bombardierungen aufhielt. Eng, niedrig, kühl – Alltag im Ausnahmezustand.
Wer hier durchgeht, versteht schnell: Malta war nicht nur Kulisse des Krieges, sondern mittendrin.




Um Mosta nicht so bedrückt zu verlassen, sahen wir uns noch eine Kuriosität an: den „Lost Place“ Subaru Händler.
Es gibt hier tatsächlich ein Autohaus, in dessen Ausstellungsraum unverkaufte Subarus seit den 1980er Jahren vor sich hin gammeln. Mitten in der Stadt, direkt am Kreisverkehr.
Der verlassene Fuji-Subaru-Showroom in Mosta ist keine gepflegte Sammlung, sondern eine echte Zeitkapsel hinter staubigen Fenstern – und nur von aussen zu besichtigen. Die Fahrzeuge aus den 1980er-Jahren stehen dort seit Jahrzehnten unbewegt – alle Reifen platt, Staub auf dem Lack, nichts museal inszeniert.




Nicht bewahrt, sondern vergessen. Und gerade deshalb wirkt dieser Ort so lost.

Nach dieser Kuriosität ging es mit Linie 48 zurück nach Gzira.









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