Manoel Island: Lost Place found silent

Manoel Island, eine Halbinsel gleich um die Ecke von unserem Appartement in Gzira, gegenüber von Valletta,  wirkte auf uns auf den ersten Blick wie ein gigantischer Lost Place. Zäune, bröckelnder Stein, verriegelte Fenster. Ein Platz, der seine Geschichten hinter Mauern verborgen hält.

Wir kamen beim Lazarett vorbei. Ummantelt von Maschendrahtzaun. Unten, direkt am Wasser, liegen die alten Quarantänegebäude des Lazzaretto.

Sie wurden ab dem 17. Jahrhundert genutzt, als Malta einer der wichtigsten Umschlagplätze im Mittelmeer war – und gleichzeitig ein Einfallstor für Seuchen. Pest, Cholera, Gelbfieber. Krankheiten, die nicht nur Menschen, sondern ganze Städte lahmlegten.

Wer auf Malta ankam, musste hier warten. Manchmal Monate. Nicht als Strafe, sondern als Vorsichtsmaßnahme.

Quarantäne mit Aussicht: Das Meer direkt vor den Fenstern – sichtbar, aber unerreichbar.

Oberhalb davon fanden wir andere Gebäude. Mit vergitterten Fenstern im ersten Stock. Aber ebenso desolat und verlassen.

Und genau dort passierte etwas Merkwürdiges. Geräusche, als würde jemand drinnen etwas verschieben. Ein kurzes Scharren. Dann Stille.

Wir blieben stehen und lauschten. 

Nichts bewegte sich sichtbar. Keine offenen Türen. Kein Licht. Kein Mensch. Etwas unheimlich war das schon.

Manoel Island ist kein klassischer Lost Place. Das Fort, bekannt als  Drehort in Games of Thrones,  ist restauriert, Spaziergänger kommen vorbei, selbst im Februar baden Mutige im Meer, Valletta liegt zum Greifen nah. 

Und trotzdem fühlte sich dieser Moment irgendwie anders an.

Ein paar Schritte weiter die nächste Irritation: Wieder Cat Shelters.

Improvisierte Holzhäuser, Katzenboxen. Näpfe. Decken. Kratzbäume. Katzen, zusammengerollt auf Matten, mitten in einem Gebäude, das eigentlich längst verlassen war.

Und plötzlich fügte sich ein Puzzleteil ins nächste. Die Geräusche. Das Unsichtbare.

Katzen sind lautlos – bis sie es nicht sind. Sie springen, stoßen etwas runter, ziehen es hinter sich her. Sie verschwinden durch Öffnungen, die man selbst gar nicht wahrnimmt. Sie leben in Zwischenräumen.

Vielleicht sind das die „Geister“ von Manoel Island. Nicht die der Vergangenheit – sondern die der Gegenwart.

Keine Seelen aus alten Zeiten, sondern Lebewesen, die sich Orte zurückholen, die Menschen aufgegeben haben. Streuner, die durch Ruinen streifen, wo früher Quarantäne herrschte, Kontrolle und Isolation.

Manoel Island,  ein Ort, an dem Isolation nie ganz verschwunden ist – sie hat nur ihr Gesicht verändert.

Und vielleicht ist es genau das, was man hier wahrnimmt, wenn es still wird – außerhalb des Trubels der Hauptstadt.

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